- Patrick Aulehla

- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Dacia Bigster Hybrid 155 im Test: Unschlagbar günstig, aber auch unschlagbar gut?
Der Dacia Bigster ist das neue Flaggschiff der Preis-Leistungs-Marke – und auf dem Papier ein echtes Traumangebot: 4,57 Meter Länge, maximal 667 bis 1.937 Liter Kofferraum, wahlweise Mildhybrid- oder Vollhybrid-Antriebe mit optionalem Allradantrieb, eine umfangreiche Serienausstattung - und das ab 27.490 Euro. Wir haben die Variante Hybrid 155 in Österreich getestet und klären, ob der Bigster hält, was er verspricht.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Dacia
Starten wir gleich mit der Preis-Leistungs-Geschichte, dann ist es abgehakt. Den Dacia Bigster gibt es in Österreich ab 24.790 Euro. Dafür bekommt man ein 4,57 Meter langes SUV mit umfangreicher Serienausstattung, modernen Mildhybrid- oder Vollhybrid-Antrieben, viel Kofferraumvolumen und auf Wunsch auch Allradantrieb. Wer die teuerste Ausstattungslinie Extreme mit dem teuersten Motor, dem Hybrid 150 4x4, kombiniert, landet bei 32.890 Euro. Zu gut, um wahr zu sein? Nein.
Was man für den Bigster-Preis bekommt, und was nicht
Inkludiert sind gefälliges SUV-Design mit robustem Charakter, viel Platz im Innen- und Kofferraum (dazu kommen wir noch), und jede Menge Serienausstattung: ein 10,1 Zoll großes und leicht zu bedienendes Infotainmentsystem mit serienmäßiger Android Auto und Apple CarPlay Konnektivität (kabellos), eine Einparkhilfe hinten samt Rückfahrkamera, einen Tempomaten mit Geschwindigkeitsbegrenzer, LED-Abblendlicht und vieles mehr. Man muss nicht einmal genügsam sein, um mit der Basisvariante Expression auszukommen.
In den höheren Levels Journey und Extreme kommen sogar ein Arkamys® 3D Sound System, ein adaptiver Tempomat (nur für die Hybrid-Modelle), schlüsselloser Zugang, 18-Zoll Alufelgen, ein induktives Smartphone-Ladegerät, eine elektrische Heckklappe und noch vieles mehr dazu. In allen Versionen serienmäßig: Das unlackierte Starkle®-Kunststoffmaterial an Radkästen und Seitenschutz – erkennbar am melierten Grauton. Es ist nicht nur ein ökologisches Plus (20 Prozent Recyclinganteil), sondern auch robuster gegen Kratzer als herkömmlich lackierte Flächen.

Was man vom Dacia Bigster nicht bekommt? Hauptsächlich Erwartbares: Die Verarbeitungsqualität ist per se nicht schlecht, die Kabine ist insgesamt modern und für unseren Geschmack hübsch eingerichtet, allerdings wird viel Plastik eingesetzt, was angesichts des Preises aber in Ordnung geht. Außerdem: Bei höheren Geschwindigkeiten dringend zunehmend Windgeräusche in die Kabine, und die Sitze sind nicht auffallend komfortabel, wobei eine Lendenwirbelstütze für den Fahrersitz serienmäßig an Bord ist.
Dacia Bigster Motoren: Mild Hybrid, Vollhybrid und jetzt auch Allrad
Antriebsseitig bietet der Dacia Bigster die Wahl zwischen einem Mildhybrid-Turbobenziner mit 140 PS, einem Vollhybrid mit 158 PS (Hybrid 155) und einem Vollhybrid mit 155 PS (Hybrid 150 4x4). In Sachen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit liegen sie alle gleichauf: 9,8 Sekunden vergehen für den Sprint auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 174 km/h.
In Sachen Verbrauch ist der Hybrid 155 am genügsamsten: Er soll laut WLTP-Zyklus 4,6 bis 4,7 Liter Superbenzin verbrauchen. Der Mildhybrid kommt auf 5,3 bis 5,5 Liter, der Hybrid 150 4x4 auf 5,7 Liter.
Dacia Bigster Hybrid 155 im Fahrbetrieb: solide, aber kein Sportler
Wir haben den Hybrid 155 getestet und kommen in der Praxis zu folgendem Schluss: Fährt man primär im Ortsgebiet und auf Freilandstraßen, lässt sich der WLTP-Wert tatsächlich erreichen, teils sogar unterbieten. Das Vollhybridsystem des Bigster - man kennt es auch aus vielen Renault-Modellen - ist bei niedrigen Geschwindigkeiten viel im Elektromodus unterwegs, der Verbrenner springt nur zur Energieerzeugung an. Bei höheren Geschwindigkeiten steigt allerdings der Verbrenner-Anteil, der Verbrauch steigt auf der Autobahn auf mindestens sieben Liter. Auch in Sachen Geräuschkomfort und Elastizität ist der Hybrid 155 (und damit auch der Hybrid 150 4x4) bei flottem Tempo kein Musterschüler. Wer viel schnell fährt, ist mit dem Mildhybrid besser beraten.

Wobei: Schnell fahren ist grundsätzlich nicht die Kerndisziplin das Dacia Bigster - er ist ein ruhiger Charakter, der sich im Teillastbereich deutlich wohler fühlt als unter hoher Anstrengung. Wie der Vollhybrid-Antrieb sind auch Fahrwerk und Lenkung nicht für Wettkämpfe ausgelegt. Gefedert wird grundsätzlich komfortabel, nur harte Schläge kommen deutlich durch. Die Lenkung ist einigermaßen direkt, aber etwas rückmeldungsarm - aber, ganz ehrlich gesagt: im Alltag wird man das kaum wahrnehmen. Das, was der Bigster machen soll - sicher und gemütlich von A nach B fahren - macht er gut.
Innenraum: Viel Platz für Passagiere, größter Kofferraum im C-Segment
Nach dem Einsteigen wird schnell klar, wo Dacia die Prioritäten gesetzt hat: Der Bigster ist ein Raumriese. Viel Kopffreiheit vorne wie hinten, viel Beinfreiheit im Fond auch für großgewachsene Passagiere. Fünf Erwachsene finden im Bigster bequem Platz, ohne dass jemand das Gefühl bekommt, auf die Ersatzbank verbannt worden zu sein.
Das Kofferraumvolumen ist laut Dacia mit maximal 667 bis 1.937 Litern gemäß VDA-Messmethode das größte im C-SUV-Segment - diese Werte gelten allerdings nur für den Mildhybrid. Die Vollhybride müssen mit 550 bis 1.853 (Hybrid 155) beziehungsweise 546 bis 1.851 Litern "auskommen". Klappt man die 40/20/40 geteilte Rücksitzbank mit der praktischen Easy-Fold-Funktion um, entsteht eine fast ebene Ladefläche mit einer Länge von 1,85 Metern – der Fahrradtransport ohne Vorderrad-Montage ist damit kein Problem.

Infotainment-Bedienung: Einfach gut
Beim Infotainment hat Dacia solide Arbeit geleistet: Der 10,1-Zoll-Touchscreen liegt gut im Blick, reagiert flott und lässt sich ohne lange Eingewöhnung bedienen. In den Ausstattungslinien Extreme und Journey kommt das Media Nav Live-System mit Cloud-Navigation und acht Jahren kostenloser Kartenaktualisierung hinzu – ein Detail, das bei der Konkurrenz gerne gegen Aufpreis verrechnet wird. Praktisch: Der MySafety-Switch, mit dem sich Geschwindigkeitswarner und Spurhalteassistent sofort deaktivieren lassen.

Preise: Was kostet der Dacia Bigster in Österreich?
Den Dacia Bigster gibt es in Österreich ab 24.790 Euro für den Mild Hybrid 140 in der Basisausstattung Expression – der von uns getestete Hybrid 155 startet bei 28.790 Euro, die top ausgestatteten Varianten Journey und Extreme mit Hybrid 155 kosten 30.790 Euro. Zum Vergleich: Der Skoda Karoq beginnt in Österreich bei 35.790 Euro – und misst dabei nur 4,38 Meter, also knapp 20 Zentimeter weniger als der Bigster. Der Hyundai Tucson startet bei 35.740 Euro und kommt dem Bigster mit 4,50 Metern Länge näher, kostet aber auch in der Basisversion deutlich mehr.
Selbst der Jaecoo 7, der chinesische Newcomer aus dem Chery-Konzern, kostet als Benziner mit Allradantrieb vollausgestattet 36.490 Euro – und bringt dabei deutlich weniger Markennetz und Langzeiterfahrung mit. Der Bigster ist kein Schnäppchen, das man entschuldigen müsste. Er ist schlicht gut eingepreist.

Fazit: Dacia Bigster Hybrid 155 – lohnt sich der Kauf?
Fast. Der Dacia Bigster ist kein Auto, das beeindrucken möchte - und trotzdem tut er das in vielen Punkten. Er fährt sich solide, unauffällig und alltagstauglich, bietet sehr viel Platz und fährt mit einer Serienausstattung vom Band, die bei anderen Marken in der Aufpreisliste zu suchen ist. Das Vollhybridsystem erledigt seinen Job im Stadt- und Überlandbetrieb effizient und leise, auf der Autobahn steigen Verbrauch und Geräuschpegel allerdings merkbar.
Empfehlenswert ist der Bigster für Familien, die ein geräumiges C-SUV ohne Aufpreis-Wahnsinn suchen, und für pragmatische Käufer, die kein Statement fahren wollen, sondern einfach ein vernünftiges Auto. Die Expression-Ausstattung reicht für die meisten Bedürfnisse völlig aus – wer zu Journey oder Extreme greift, bekommt für den Aufpreis ebenfalls ein faires Angebot. Einen versteckten Haken gibt es nicht - aber im Regelfall auch keine Rabatte beim Kauf.
Außerdem kommt der Dacia Bigster aus dem Renault-Konzern, wird in Österreich von rund 160 Händlerbetrieben betreut und bringt drei Jahre Herstellergarantie mit. Das ist kein unwichtiges Detail in einem Segment, in dem chinesische Newcomer mit ähnlichen Preisversprechen locken – aber ohne vergleichbares Netz und ohne die Langzeiterfahrung, die man beim Bigster mitbekommt.
Was wir gut finden: Dass man für den Einstiegspreis ein mehr als brauchbar ausgestattes Auto bekommt.
Was wir nicht so gut finden: Irgendwie klar - an manchen Stellen spürt man den günstigen Preis.
Man kauft ihn, weil: man ein großes SUV fahren möchte, das im Grunde alles kann, außer angeben.
Vergleichbare Fahrzeuge: Skoda Karoq, Hyundai Tucson, Jaecoo 7
Dacia Bigster Hybrid 155 Journey (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch, Reichweite
Testwagenpreis: € 32.020,00
Einstiegspreis: € 24.790,00
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Maximale Leistung Verbrennungsmotor: 80 kW/109 PS
Maximale Leistung Elektromotor: 36 kW/49 PS
Systemleistung: 116 kW/158 PS
Systemdrehmoment: k.A.
Motor: R4
Hubraum: 1.789 ccm
0-100 km/h: 9,7 Sekunden
Vmax: 174 km/h
Kombinierter Kraftstoffverbrauch (WLTP): 4,7 Liter/100 km
CO2-Emissionen (WLTP): 106 Gramm/km
Leergewicht: 1.487 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 1.940 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst: 1.000 kg/745 kg
Kofferraumvolumen: 550 - 1.853 Liter
Länge/Breite o.S./Höhe: 4.570/1.813/1.712 mm



















Kommentare