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Ford Mustang Mach 1: Ärger im Ponyhof


Im Ford Mustang Mach 1 in Wien um ein Sackerl Semmeln zu fahren ist so, als würde man sein Bier im Restaurant mit der Kettensäge öffnen. Macht gewaltig Stimmung - in die eine wie in die andere Richtung.



Text: Patrick Aulehla | Fotos: Oliver Hirtenfelder
 

Ok, ok, ok. Ich weiß, was ihr denkt, und ehrlich gesagt: Ich habe mir das gleiche gedacht. Der Ford Mustang Mach 1 ist die vermeintliche Antithese zur florierenden Umweltbewegung, und wäre an ihm kein Luftfilter verbaut, dann würde sein 5,0 Liter V8 sie durch den Zylinderkopf saugen, die Klebenden vor ihm am Zebrastreifen. Dass unser Testwagen orange lackiert ist, gibt diesem Schauspiel den dramatischen Rest, wobei ich an dieser Stelle festhalten möchte: Dramatisch wäre der Mach 1 auch grundiert genug.


Dass ich diesem Auto zugegebenermaßen mit Skepsis begegne, liegt an meiner gespaltenen Persönlichkeit: Zum einen bin ich Autofan der ersten Stunde - sozusagen von Geburt an infiziert. Dass mein erstes Wort "Porse" und nicht "Mama" war, hält mir selbige bis heute vor. Andererseits bin ich begeisterter Mountainbiker und Rennradfahrer (ui ui ui), also mit einer gewissen Naturverbundenheit ausgerüstet, die mich auch dem mobilen Verzicht durchaus etwas abgewinnen lässt. Deshalb findet den Mustang ein Teil von mir richtig, richtig gut. Der andere Teil fühlt mit denen, die mir den Kuckuck zeigen.



Ford Mustang Mach 1

Mach 1 heißt übersetzt so viel wie: 5,0 Liter V8, 460 PS, 529 Nm und 91.709,38 Euro Basispreis in Österreich.


Um diesen Konflikt nach außen glaubhaft zu machen, bleibt in diesem Fahrzeug aber wenig Spielraum, weshalb man am besten das Folgende macht: Man akzeptiert das vorübergehende Schurke sein und lässt sich auf den Mustang ein. Auf die gefühlt zwei Meter lange Türe, auf die amerikanischen Glattlederstühle und auf das, was passiert, wenn man den Startknopf drückt. Nein, keine Abschwächung in irgendeine Richtung: Der Mach 1 ist schlicht und einfach brutal, brutal laut vor allem, und zwar so brutal, dass ich ihn morgens lieber aus der Gasse geschoben als gefahren hätte. Allerdings: Das wächst sich aus.


Eine Sache kann der Mustang nämlich richtig gut: Er begeistert. Nicht nur den Autofan in mir, dem der markerschütternde Ami-Achtzylindersound, das unbändige Drehmoment und die Gewalt, die der Mustang imstande ist mit seinen 460 PS zu entladen, die Gänsehaut aufträgt. Vielmehr begeistert er alle, die sich in seinem Dunstkreis befinden. Noch kein anderes Auto hat mehr Köpfe in meine Richtung verdreht, und obwohl dich ein paar davon für irre halten: die allermeisten finden dieses Schauspiel cool. Ich glaube, ich kann auch erklären, warum.




Das Cockpit des Mustang Mach 1 ist... fahrerorientiert. Viel Platz auf den Vordersitzen, fast keiner auf den hinteren. Immer im Blick: Der Drehzahlmesser mit 8.000 Touren.


Stumpf ist Trumpf

Erstens - und das liegt auf der Hand: Wenn man Autos mag, mag man den Mustang Mach 1. Das heißt nicht, dass ich zwangsläufig einen kaufen würde (oder könnte). Aber in Summe seiner Eigenschaften ist er so sehr Auto wie heute fast kein anderes mehr. Kein Turbo, kein Elektromotor, keine umständliche Technik. Stattdessen ein Motor, der macht, was Motoren machen: Ansaugen, verdichten, abfackeln, auspuffen. Simple as that.


Das führt uns direkt zum nächsten Argument: Zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Der V8 mag im Vergleich zu modernen Aggregaten ein Hillbilly sein, aber stumpf ist in dieser Hinsicht Trumpf. Man fährt selbst, man kuppelt selbst, man schaltet selbst, obendrauf gibt's Leistung zum Schweinefüttern. Was im Umkehrschluss bedeutet: Die Ponyherde klinkt man besser mit Vorsicht aus der Kette. 460 PS und 530 Newtonmeter - da kann auch das ESP nicht immer mithalten. Behäbig ist der Mustang nämlich mitnichten. Schon aus dem Keller schiebt er gewaltig vorwärts, im oberen Drehzahldrittel brennt er ein zweites Feuerwerk ab.


Und drittens: Das Anwendungsgebiet des Mustang ist klar definiert. Keine Lifestyle-Verrenkungen im tiefergelegten Hochsitzformat, sondern hauptsächlich Motorhaube, Kraftstoff und Auspuffanlage. Dass der Kofferraum beachtliche 408 Liter fasst, ist erfreulich, aber sicher kein Kaufargument.





In der Ruhe liegt die Kraft

Fast schon Tradition hat es, dass der Mustang sich in Sachen Präzision nicht mit europäischen Sportwagen misst, wobei der Abstand über die Jahre kleiner wurde. Waren Mustangs aus der 2004er Generation noch dafür bekannt, gerne mal eine Hecke zu rasieren, ist dieser durchaus dynamisch zu bewegen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten, also trotz schwerer Front und leichten Hecks, schleift er einen beherzt durchs Gebirge, wobei er für mich am besten folgendermaßen fährt: Flott, gleitend, mit offenem Fenster und offener Auspuffklappe. Dabei haben sich Muscle Cars schon immer bewährt.


Versöhnliche Charaktere wird das natürlich nicht bekehren, für die ist dieses Auto aber ohnehin nicht gemacht. Eine kräftiges Selbstbewusstsein ist im Mustang obligat, weil man nicht nur angeschaut, sondern auch angesprochen wird. Sollte das einmal mit erhobenem Finger geschehen, habe ich mir folgende Argumente zurechtgelegt: Zum einen verbraucht er deutlich weniger Sprit als ihr vielleicht denkt. Mit den 12,2 Litern auf unserem Bordcomputer unterbietet er sogar die Werksangabe, und ganz im Ernst: Wir haben uns keine Mühe gegeben. V8-Sound, Zwischengas, ihr wisst schon, was ich meine. Wer sich im Griff hat, fährt dieses Auto vielleicht mit rund zehn Litern. Das wäre für einen Kleinwagen selbstverständlich keine Leistung. Für einen V8-Sportwagen mit 460 PS allerdings schon.


Ein weiterer Pluspunkt auf der Mustang-Liste: Er ist selten, in Österreich schon der NoVA wegen. Und im Gegensatz zu Plug-In-Hybrid-SUVs, die unaufgeladen etwa genauso viel verbrauchen, kommt er ohne Antriebsbatterie, Strom und elektronischen Krimskrams aus. Das ist in die Ökobilanz ebenfalls einzurechnen. Und: Der Mach 1 wird ein zweites, ein drittes und ein viertes Leben finden. Als Gebrauchtwagen, Youngtimer und Oldie, irgendwann. Heritage gehört zum Mustang nämlich ebenfalls dazu.


 


 

Ford Mustang Mach 1 (2023): Technische Daten, Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch


Testwagenpreis: € 96.351,71 brutto (Basispreis: € ab 91.709,38 Euro)

Bestellbar: Ab sofort (Konfigurator)

Motorleistung: 338 kW/460 PS

Drehmoment: 529 Newtonmeter

0-100 km/h: 4,8 sek.

Vmax: 267 km/h


Leergewicht: 1.839 kg

Kofferraum: 408 Liter

Länge/Breite m.S./Höhe: 4.797/2.097/1.382 mm

Verbrauch (WLTP): 12,4 Liter/100 km

CO2 (WLTP): 284 g/km


Ganz kurz: Die technischen Daten des Ford Mustang Mach 1 überzeugen. Mit einer Motorleistung von 460 PS, einem Drehmoment von 529 Nm, 267 km/h Spitzengeschwindigkeit und einer Beschleunigung von 4,8 Sekunden (Handschalter) von Null auf Hundert zählt er zu den schnellsten Ponys dieses Planeten. Von Zurückhaltung hält er dementsprechend wenig. Der Achtzylinder brüllt aus dem Klappenauspuff, dass es die Wände verbiegt, und auch preislich zeigt er sich selbstbewusst. In Österreich ist der Mustang Mach 1 ab einem Preis von 91.709,38 Euro zu haben - und damit bei weitem kein Sonderangebot.

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