KIA EV5 (2026) im Test: Design mit Kante für ein Elektroauto, das nirgends aneckt
Der EV5 zählt zu den wichtigsten Modellen von KIA - immerhin tritt er im heiß umkämpften Kompakt-SUV-Segment gegen Skoda Enyaq, VW ID.Tiguan, BMW iX1, BYD Seal U oder XPeng G6 an. Wir klären auf, warum KIA mehr als eine Alternative bietet.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: KIA
Das Wichtigste zum KIA EV5 in Kürze
Was er ist: Ein elektrisches Kompakt-SUV, das in keiner Disziplin wirklich herausragt, sich aber auch keine Schwäche erlaubt. Mit großer Batterie und reichhaltiger Ausstattung schon in der Basisversion.
Abmessungen: 4,62 Meter Länge. Kofferraumvolumen 566 bis 1.650 Liter.
Batterie und Laden: 81 kWh in jeder Variante, 400-Volt-Bordnetz mit maximal 150 kW Ladeleistung, 10 auf 80 Prozent in rund 30 Minuten. 11 kW AC-Laden und V2X-Funktion serienmäßig.
Preis in Österreich: Ausstattungsvariante Earth ab 45.190 Euro.
Verbrauch: WLTP-Angabe 18,1 kWh pro 100 Kilometer (Allrad) – in der Praxis auch mit Autobahnanteil erreichbar.
Stärken: Große Batterie serienmäßig, Serienausstattung (Sitz- und Lenkradheizung, abgedunkelte Scheiben, V2X), Verarbeitungsqualität, Infotainment, Platzangebot, Komfort und Geräuschniveau, realistischer Verbrauch, eigenständiges Design.
Schwächen: Ladeleistung nur Mittelmaß – Mitbewerber wie XPeng laden deutlich schneller. Aufmerksamkeitsassistent und Geschwindigkeitswarner reagieren überempfindlich, lassen sich aber einfach deaktivieren.
Die Suche nach einem elektrischen Kompakt-SUV fällt derzeit nicht leicht. Nicht, weil man sich schwer täte, ein passendes Modell zu finden - im Gegenteil. Das Angebot ist spätestens seit dem Aufkommen neuer chinesischer Marken zu groß, um es zu überblicken. Ein Fahrzeug, das man in dieser Hinsicht auf jeden Fall auf dem Zettel haben sollte, ist der KIA EV5. Das hat mehrere Gründe.
Der Preis ist nicht heiß, aber durchaus fair
Der KIA EV5 kostet in der Ausstattungsvariante Earth in Österreich derzeit ab 45.190 Euro. Das ist - wenn überhaupt - nicht viel günstiger als die Einstiegspreise vergleichbarer Modelle anderer Hersteller. Aber: KIA schraubt beim EV5 ausnahmslos die große 81 kWh Batterie unter das Auto. Die Basisversionen des VW ID.Tiguan (ab 44.490 Euro) kommt mit 58 kWh Batterie, die des Skoda Enyaq (ab 43.980 Euro) ebenfalls, der BMW iX1 Einsteiger (ab 46.788 Euro) kommt mit 65 kWh, der XPeng G6 Standard Range mit 68 kWh. Einzige Ausnahme ist der BYD Seal U, dessen Long Range Variante (87 kWh Batteriekapazität) für derzeit 41.680 Euro nach Abzug aller Aktionen zu haben ist. Der KIA EV5 bietet den meisten Mitbewerbern gegenüber also einen merkbaren Praxisvorteil.
Hinzu kommt, dass der Koreaner schon in der Basisversion Earth sehr gut ausgestattet ist. Serienmäßig sind etwa Sitzheizung vorne, Lenkradheizung, abgedunkelte Scheiben und 11 kW AC-Laden samt V2X-Funktion an Bord. Bei den Europäern sind üblicherweise viele Häkchen in der Aufpreisliste zu setzen, um auf die gleiche Ausstattungsfülle zu kommen. Anders sieht die Sache bei den chinesischen Herstellern aus, die im Regelfall vollausgestattet vom Produktionsband fahren.

Design und Platzangebot: keine graue Masse
Äußerlichkeiten sind immer Geschmackssache, aber fest steht: Der KIA EV5 hebt sich von der grauen Masse ab. Trotz vieler Ecken und Kanten verzichtet das 4,62 Meter lange Elektro-SUV auf optische Aggressivität, er wirkt insgesamt souverän und bodenständig. Gleichzeitig bietet er großzügige Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck: 566 bis 1.650 Liter Kofferraumvolumen sind eine Ansage.

Verarbeitung und Infotainment scheuen sich keinem Vergleich
In puncto Verarbeitungsqualität muss der KIA EV5 keinen Vergleich mit seinen europäischen Mitbewerbern scheuen. Alles sitzt, alles passt, kein Geknarze aus den Tiefen der Plastikwüste, kein Poltern beim Fahren über Bodenschwellen. Auch die Materialauswahl ist gut getroffen. Beim Infotainment selbst gibt es ebenfalls wenig zu beanstanden: logische Menüführung, gestochen scharfe Grafiken, kaum Irrwege durch versteckte Untermenüs. Ein bisschen Einarbeitungszeit braucht es bei jedem modernen Infotainmentsystem - das gebietet schon der Funktionsumfang.
Das Deaktivieren einiger Assistenten bleibt uns im KIA EV5 allerdings nicht erspart: besonders Aufmerksamkeitsassistent und Geschwindigkeitswarner reagieren sehr empfindlich, das nervt auf Dauer. Geht glücklicherweise einigermaßen einfach durch das Stern-Symobl auf dem Multifunktionslenkrad.

Reichweite, Ladeleistung und Batterie: Ausdauernd, aber mittelmäßige Ladeleistung
Bis vor wenigen Jahren war die Ladeleistung noch das Steckenpferd von KIA: Der EV6 war eines der ersten Modelle, das serienmäßig mit 800 Volt Bordnetz vorfuhr. Der EV5 verzichtet auf die moderne Ladetechnologie und setzt auf ein 400 Volt Bordnetz, das seine Ladeleistung auf 150 kW begrenzt. Das ist - verglichen mit den meisten Mitbewerbern - kein Grund zum Schämen: Der BMW iX1 kommt serienmäßig auf 130 kW, der VW ID.Tiguan kann in der Basisversion mit 105 kW laden, in den höheren Levels mit maximal 165 kW, der BYD Seal U auf 115 beziehungsweise 140 kW.
Allerdings gibt es auch Mitbewerber wie XPeng: Da kommt schon das Standard Range Modell mit kleiner Batterie auf 382 kW Ladeleistung, die Long Range oder AWD Performance Versionen schaffen gar 451 kW. Dadurch ist in 12 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen - der EV5 braucht dafür rund 30 Minuten. Das ist für gelegentliche Urlaubsfahrer ein Mehrwert mit Seltenheitswert. Für alle, die regelmäßig Langstrecke fahren, aber ein echtes Argument.
Fahreindruck: So wie es sein sollte
Was das Fahren selbst betrifft, ist der KIA EV5 in keiner Hinsicht herausragend, und das ist durchaus positiv zu verstehen. Das Fahrwerk federt komfortabel, Kurven durchfährt man sicher und stabil, die Geräuschkulisse zeigt sich angenehm ruhig. In Sachen Stromverbrauch kann der EV5 ebenfalls überzeugen: die 18,1 kWh WLTP-Angabe für das Allradmodell lassen sich in der Praxis erreichen, auch mit gelegentlichen Autobahnfahrten.

Fazit: Der EV5 muss nicht glänzen, um zu überzeugen
Der KIA EV5 gewinnt keine Disziplin mit Abstand, und genau das ist seine Stärke. Er leistet sich keine Schwäche, die im Alltag ins Gewicht fällt: Die große 81-kWh-Batterie ist immer an Bord, die Serienausstattung ist üppig, Verarbeitung und Infotainment halten mit den Europäern mit, Platzangebot und Verbrauch stimmen. Einzig bei der Ladeleistung hat KIA den eigenen Vorsprung aus EV6-Zeiten verspielt – wer regelmäßig Langstrecke fährt, findet bei XPeng das bessere Argument. Für alle anderen ist der EV5 das, was die Überschrift verspricht: ein Elektro-SUV mit Kante, das nirgends aneckt.
KIA EV5 (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Verbrauch, Abmessungen
Testwagenpreis: € 51.790,00 brutto
Einstiegspreis: € 45.590,00 brutto (Air FWD, Listenpreis)
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Motor: Elektro
Maximale Motorleistung: 195 kW/265 PS
Drehmoment: 385 Nm
Getriebe: Automatik/Reduktionsgetriebe
Antrieb: Allrad
0–100 km/h: 7,3 sek
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Verbrauch (WLTP): 18,1 kWh/100 km
Realverbrauch im Test: 18 kWh/100 km
Reichweite (WLTP): 480 km
Reichweite im Test: 400 km
CO₂-Emission (WLTP): 0 Gramm/km
Leergewicht: 2.177–2.252 kg
Abmessungen L/B o.S./H: 4.610/1.875/1.675 mm (1.680 mm mit Dachreling)
Radstand: 2.750 mm
Kofferraumvolumen (VDA): 566 Liter
Neuwagen-Garantie: 7 Jahre/150.000 km
Batterie-Garantie: 7 Jahre/150.000 km




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