- Patrick Aulehla

- 22. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Renault Clio TCe 115 im Test: Kleiner Reisebegleiter
Die Hauptaufgabe eines Renault Clio ist es, rund um den Wohnort, in der Stadt oder im stadtnahen Gebiet, meist nur eine Person zu befördern. Wir sind mit dem Renault Clio 1.300 Kilometer über die Autobahn gebrettert - zu viert und voll beladen. Was wir dabei erlebt haben, wird Sie überraschen.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Renault
Das Wichtigste in Kürze:
Der Renault Clio taugt auch zu viert mit Gepäck überraschend gut als Reiseauto – Kleinwagen hin oder her
Preis: ab 19.990 Euro (TCe 115), der NoVA-freie E-Tech Vollhybrid startet bei 24.490 Euro
Testverbrauch: 4,8 l/100 km über 1.300 Kilometer – voll beladen, bei rund 60 Prozent Autobahnanteil mit Tempo 130
Stärke: Der durchzugsstarke Dreizylinder wirkt deutlich kräftiger als 115 PS und schluckt dabei erstaunlich wenig
Schwäche: Die hakelige Handschaltung und naturgemäß die Platzverhältnisse für große Passagiere
Wir wollen Kleinwagen ihre Reisetauglichkeit gar nicht absprechen - im Grunde kann man mit jedem Auto überall hin fahren, sofern sich unterwegs Tank- oder Lademöglichkeiten finden. Theoretisch kommt man auch mit einem Dacia Spring früher oder später von Wien in Österreich nach Fujian in China, es wird vermutlich nur relativ zach. Und "zach" ist in dieser Herleitung das nötige Stichwort: Wer oft weit fährt, will es nicht zach, sondern gemütlich haben. Typischerweise sind Reiseautos groß, einigermaßen leistungsstark und möglichst komfortabel ausgestattet. Ein Kleinwagen ist das typischerweise nicht.
Der Renault Clio ist da keine Ausnahme. Er misst gerade einmal 4,12 Meter in der Länge, ist in der Basis mit einem 115 PS starken Dreizylinder-Turbomotor ausgestattet und bietet weder Belüftung noch Massage für die Sitze. Sein Ladeabteil schluckt mit 391 Liter Kofferraumvolumen zwar einiges weg für einen Kleinwagen. Ein Skoda Peaq kommt allerdings auf 1.010 Liter. Nur zum Vergleich.
Kann man mit dem Renault Clio trotzdem einigermaßen gemütlich in den Urlaub fahren? Und das zu viert, mit Gepäck, über 600 Kilometer pro Richtung?

Platzangebot: für einen Kleinwagen sehr gut
Natürlich lässt sich das eingeschränkte Platzangebot nicht wegdiskutieren - vor allem, wenn man zu viert reist. Wobei der Kofferraum des Clio mit 391 Liter Volumen sogar 10 Liter mehr als ein VW Golf bietet. Durch den tiefen Ladeboden passen auch große Koffer hinein - hier ist der 115 PS starke Einstiegsbenziner der E-Tech Vollhybrid-Variante um ganze 90 Liter voraus. Der Grund: Im Kofferraumboden des E-Tech Modells muss die Antriebsbatterie Platz finden.
Auf den Vordersitzen findet sich in alle Himmelsrichtungen ausreichend Platz. Auf der Rücksitzbank wird es bei gut 6 Stunden Fahrtzeit allerdings kuschelig. Wer nicht über 1,80 Meter groß ist, kommt zurecht - wirklich komfortabel fühlt sich das Reiseerlebnis aber nicht an. Kleinere Passagiere - unsere Mitfahrerinnen auf der Rückbank waren unter 1,70 Meter groß - bekommen dagegen keine Probleme.

Fahreindruck und Verbrauch im Test: Unerwartet souverän und sparsam
Ein 1,2 Liter Dreizylinder-Turbobenziner ist zweifelsfrei kein Reisemotor - sollte man meinen. Tatsächlich hat mich das Triebwerk positiv überrascht. Vor allem, weil der Clio deutlich kräftiger wirkt, als es die 115 PS vermuten ließen. Das liegt einerseits daran, dass der Motor mit 190 Newtonmeter Drehmoment sehr kraftvoll ist, das Leergewicht mit 1.155 Kilogramm andererseits sehr gering ausfällt. Der Durchzug des Motors ist einem Diesel ebenbürtig - hinunterschalten vor einem Bergaufstück? Fehlanzeige.
Ebenfalls erstaunlich gut: Auf unserer gesamten 1.300 Kilometer langen Reise hat der Clio durchschnittlich nur 4,8 Liter Super verbraucht. Beladen mit Gepäck und vier Insassen, bei einem Autobahn-Anteil von gut 60 Prozent, und wann immer möglich mit einer Reisegeschwindigkeit von 130 km/h, wohlgemerkt. Das ist herausragend gut, und zum Teil ebenfalls dem geringen Gewicht geschuldet.
Insgesamt fühlt sich der Renault Clio nach deutlich mehr Auto an als er ist. Einzig in Sachen Schaltperformance gibt es noch Luft nach oben: Die Gänge wollen nicht immer exakt in die Gasse. Auch das Anfahren im ersten Gang will nicht immer geschmeidig klappen. Wer lieber schalten lässt, hat zwei Wahlmöglichkeiten: Den TCe 115 gibt es auch mit EDC-Doppelkupplungs-Automatik (1.500 Euro Aufpreis). Oder man greift gleich zum 160 PS starken E-Tech Vollhybrid - der kostet allerdings gleich 4.500 Euro mehr als der TCe 115.

Bedienung und Infotainment: Keine Rätsel im Clio
Keine Schwächen zeigt der Renault Clio bei der Bedienung: Das Open R Link genannte Infotainmentsystem basiert auf Android Automotive Software - es nutzt also Google Maps für die Navigation und lässt sich mit dem eigenen Google Account connecten. So kann man verschiedene Apps wie Spotify oder YouTube, die man auf dem Smartphone nutzt, auch im Auto nutzen.
Elegant löst Renault das Assistenzsystem-Thema: Geschwindigkeitswarner und Spurhalteassistent lassen sich durch einen Doppelklick auf den sogenannten MySafetySwitch schnell deaktivieren. Das Angebot an Helferlein ist grundsätzlich groß: adaptiver Tempomat, Notbremsassistent und so weiter sind serienmäßig an Bord, auf Wunsch gibt es auch einen Autobahn-Stauassistent, einen Querverkehrswarner oder einen Toter-Winkel-Warner mit aktivem Lenkeingriff.

Preise in Österreich: Renault Clio ab 19.990 Euro
Renault bietet den neuen Clio in drei Ausstattungslinien an: Evolution, Techno und Esprit Alpine. Den Einstieg markiert der Evolution TCe 115 mit Sechsgang-Handschaltung um 19.990 Euro, das Doppelkupplungsgetriebe EDC kostet 1.500 Euro Aufpreis. Der Full Hybrid E-Tech 160 startet bei 24.490 Euro und bleibt mit 89 bis 92 Gramm CO₂ NoVA-frei. Die mittlere Linie Techno (ab 21.990 Euro) dürfte für die meisten der Sweet Spot sein: Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Keyless-Funkschlüssel und das 10,1-Zoll-Infotainment mit Google-Navigation sind hier serienmäßig an Bord. Das sportlich angehauchte Topmodell Esprit Alpine (ab 25.490 Euro) gibt es ausschließlich als EDC oder Hybrid - als E-Tech Vollhybrid steht es mit 28.490 Euro in der Liste.
Fazit zum Renault Clio: Ein Kleinwagen, der auch groß rausfahren kann
Am Ende bleibt eine kleine Überraschung: Der Clio TCe 115 ist deutlich mehr Auto, als seine 4,12 Meter und drei Zylinder vermuten lassen. Der Motor zieht kräftig an, der Verbrauch bleibt selbst bei Tempo 130 niedrig, und das Platzangebot reicht für vier Erwachsene plus Gepäck – solange hinten niemand Basketball spielt. Wer den Clio als Reiseauto abschreibt, weil er in die Kleinwagen-Schublade gehört, unterschätzt ihn. Wer ausschließlich Langstrecke fährt und regelmäßig zu viert unterwegs ist, ist mit einer Nummer größer trotzdem besser bedient. Für alle anderen – also die Mehrheit – ist der Clio in der Techno-Ausstattung ein bemerkenswert erwachsener Kleiner, der bei Bedarf auch den Sommerurlaub souverän mitmacht.
Renault Clio TCe 115 Techno (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch, Reichweite
Testwagenpreis: € 21.990,00 brutto
Einstiegspreis: € 19.990,00 brutto
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Motorleistung: 84 kW/114 PS
Drehmoment: 190 Nm
Motor: R3
Hubraum: 1.199 ccm
0-100 km/h: 10,3 sek
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Verbrauch (WLTP): 5,0 - 5,1 Liter/100 km
Realverbrauch im Test: 4,8 Liter/100 km
CO2-Emission (WLTP): 114 Gramm/km
Leergewicht: 1.155 kg
Höchstzulässiges Gesamtgewicht: 1.655 kg
Abmessungen Länge/Breite o.S./Höhe: 4.116/1.768/1.451 mm
Kofferraumvolumen (VDA): 391 - 1.176 Liter
Anhängelast (gebremst/ungebremst): 900 kg/615 kg



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