- Patrick Aulehla

- vor 13 Stunden
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Land Rover Defender Octa im Test: 635 PS und 2,6 Tonnen auf Sparflamme
Der 635 PS starke 4,4 Liter V8 Biturbo aus dem BMW M5 macht den Land Rover Defender nicht zwangsläufig zu einem besseren Geländewagen. In Kombination mit dem neuen 6D Dynamics Fahrwerk kann man aber Bodenschwellen mit 250 km/h planieren.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Oliver Hirtenfelder | Video: Maximilian Stelzer
Den mindestens 259.123 Euro teuren Land Rover Defender Octa ein Nischenprodukt zu nennen, wäre noch untertrieben, und ja, er kokettiert auch ein wenig die globalen Bemühungen, dem Straßenverkehr seinen CO2-Ausstoß abzutrainieren. Aus einer ideologischen Perspektive lässt sich diesem Fahrzeug durchaus einiges ankreiden - beispielsweise die immense Breite von 2,06 Meter ohne Außenspiegel, die den ohnehin nicht kleinen Defender auftreten lässt wie einen Stier auf Wachstumshormonen, und die in weiterer Folge auch ein Statement ist, weil man braucht den Platz ganz einfach, und die anderen mögen zur Seite fahren.
Auch der Motor ist nicht über jeden moralischen Zweifel erhaben: Der 4,4 Liter Biturbo V8 liefert 635 PS Leistung und 750 Newtonmeter Drehmoment, verzichtet zur Gänze auf elektrische Hilfsleistungen und ist trotzdem imstande, diesen 2,6 Tonnen schweren Geländewagen in vier Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen und 250 km/h schnell fahren zu lassen. Wenngleich wir schon jetzt festhalten wollen, dass uns der Realverbrauch im Test durchaus überrascht hat - im positiven Sinne, mehr dazu gleich.

Der beste Reisebegleiter von Wien bis Wüste
Aus einer rein technischen Perspektive aber ist der Land Rover Defender Octa vor allem eines: Ein unglaublich fähiges, vielseitiges, komfortables und souveränes Reisefahrzeug, mit dem man seinen Standort und einen Zielort in Windeseile verbinden kann, ganz gleich, welcher Untergrund vor einem liegt. Ja, das gilt grundsätzlich auch für Wasser, wenngleich nicht für das offene Meer - jedenfalls lässt sich mit einem Meter Watttiefe im Badeteich umrühren oder ein Fluss überqueren, und viel mehr braucht es im Primärmarkt, den arabischen Golfstaaten, ja nicht.
In österreichischen Gefilden ist der Octa dagegen permanent unterfordert - es fehlt ihm an Platz zum Spielen, an echten Challenges, an weitläufigen Waldwegen, wo man das Gaspedal eine Minute lang in den Boden spaxen kann, um zu schauen, was passiert. Vermutlich passiert nichts, sofern man den Bäumen fernbleibt, denn die 6D Dynamics genannte Luftfederung ist derart leistungsfähig, dass man imstande ist, Dinge zu tun, bei denen es jedem anderen Fahrzeug längst die Querlenker aushängt.

Ein Fahrwerk, keine Bodenwellen
Und selbst, wenn man von Spompanadeln Abstand nimmt, profitiert man von diesem Fahrwerk und seinen enormen Reserven: Es reduziert Wankbewegungen auf ein Minimum, federt unglaublich sanft und souverän, es ist auf erstaunliche Weise weich und trotzdem nicht schwammig, und im Dynamic-Modus plötzlich angriffig und spielerisch, dass man diesen Brocken Automobil durchaus flott durch Kurven werfen kann. Oder, im Octa-Modus, auch ernsthafte Drifts hinlegen, dank 80 Prozent Leistung an der Hinterachse.
Erstaunen konnte uns der Octa auch in der ihm sonst eher fernen Erbsenzählerkategorie: Der Durchschnittsverbrauch lag mit 12 Liter (innerorts und Freiland) bis 15 Liter (inklusive Autobahn) pro 100 Kilometer teilweise sogar unter dem WLTP-Wert (13,8 Liter), was umso erstaunlicher ist, wenn man einen Blick in die Radhäuser wirft: Unser Testwagen war mit den 20 Zoll großen, von Goodyear speziell für das OCTA Modell entwickelten Advanced-All-Terrain-Reifen ausgerüstet, und die sind in Sachen Rollwiderstand kaum besser als ein Kübel voll Schotter. Wer es öfters eilig hat, wählt besser die Standardbereifung - die Goodyear-Gummis sind bei 160 km/h limitiert.

Innen: Bekannt gut, mit Bass bis in den Hintern
Neben all den dynamischen Besonderheiten gibt es aus dem Innenraum weniger Erstaunliches zu vermelden. Der typische Defender-Flair bleibt auch dem Octa, Sonderausstattung gibt es wenig, weil im Grunde eh alles an Bord ist, was man braucht. Wobei: Das serienmäßige Meridian Surround-Soundsystem reicht im Octa bis in die Sitze, weil ebendort Subwoofer verbaut sind, die den Bass nicht nur hörbar, sondern auch spürbar werden lassen. Für uns hat sich das nicht nach Bereicherung angefühlt - man kann das Gewummere aber deaktivieren auch.
Ansonsten gibt es brauchbares Infotainment mit logischer Menüführung, vielen echten Tasten für wichtige Funktionen, einen Knopf am Lenkrad, um den Assistenten unkompliziert den Gar aus zu machen, und insgesamt solide Verarbeitungsqualität. Ebenfalls über das Infotainmentsystem können die Fahrmodi des Terrain Response Systems ausgewählt werden (Gras/Schotter/Schnee, Schlamm, Sand und Felsen), die Antrieb und Fahrwerk auf die bevorstehenden Herausforderungen kalibrieren. Falls das jemals nötig sein sollte.
Im Innenraum weniger speziell als außen, oder anders gesagt: in gewohnt guter Defender-Manier. Wer es gerne exklusiver hat, kann für 4.249 Euro Dekorelemente in Chopped Carbon bestellen.
Unser Fazit zum Land Rover Defender Octa
Der Land Rover Defender Octa ist definitiv kein Auto für Zartbesaitete. Er ist laut, breit und hoch, dadurch ziemlich unpraktisch in urbanen Gefilden und tendenziell auch unerwünscht. Sofern man davon absehen kann, und sofern man es übers Herz bringt, dem Finanzamt bei unserer Testwagenkonfiguration 32.787 Euro an Umsatzsteuer und 84.260 Euro an NoVA zu überweisen, ist dieses Auto aber die wohl vollkommenste Allroundlösung zur Fortbewegung mit Bodenkontakt. Ja, eine AMG G-Klasse ist auch cool. Aber die hat mittlerweile jeder 20-jährige Bitcoin-Millionär.

Was wir gut finden: Dass uns nichts aufhalten kann.
Was wir nicht so gut finden: Abgesehen von den moralischen und ökonomischen Reibungspunkten: nichts. Nicht einmal den Verbrauch.
Man kauft ihn, weil: man von nichts aufgehalten werden will.
Alternativen: Mercedes-Benz G-Klasse AMG. Dann wird's schon dünn.
Land Rover Defender Octa (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch, Reichweite
Testwagenpreis: € 280.980 brutto
Einstiegspreis: € 259.123 brutto
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Motorleistung: 467 kW/635 PS
Drehmoment: 750 Nm
Motor: V8
Hubraum: 4.395 ccm
0-100 km/h: 4,0 sek
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Verbrauch (WLTP): 13,8 Liter/100 km
Realverbrauch im Test: 12 - 15 Liter/100 km
CO2-Emission (WLTP): 311 Gramm/km
Leergewicht: 2.585 kg
Höchstzulässiges Gesamtgewicht: 3.230 kg
Abmessungen Länge/Breite o.S./Höhe: 5.003/1.995/2.064 mm
Kofferraumvolumen (VDA): 972 - 2.277 Liter
Anhängelast (gebremst/ungebremst): 3.500 kg/750 kg























































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