- Patrick Aulehla

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Renault Austral oder Renault Espace: Unser Vergleichstest zeigt, wer mit welchem Kompakt-SUV besser fährt
Wer ein sparsames Kompakt-SUV sucht, landet bei Renault schnell zwischen zwei Stühlen: Austral oder Espace? Die beiden Modelle teilen sich eine Plattform, unterscheiden sich aber bei Größe, Sitzplatzanzahl und Antrieb. Und beim Basispreis: Der Espace ist ganze 8.610 Euro teurer. Unser Vergleichstest zeigt, welche Variante zu welchem Fahrerprofil passt, wo der 150 PS Mildhybrid den 200 PS E-Tech schlägt und welches Ausstattungslevel sich wirklich lohnt.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Oliver Hirtenfelder
Wer sich für ein sparsames und preiswertes Kompakt-SUV interessiert, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Austral und Espace. Die beiden Modelle aus dem Hause Renault zählen in ihrem Segment zu den preiswerteren Angeboten, sind dank Hybridisierung sparsam beim Verbrauch und mit all jenen Sicherheits-, Assistenz- und Infotainmentfeatures ausgerüstet, die ein modernes SUV heute mitbringen sollte. So nahe sich die beiden Fahrzeuge optisch sind - der Blick auf die Zahlen verrät teilweise deutliche Unterschiede: Der Espace 22 Zentimeter länger und bietet seinen bis zu sieben Passagieren und dem Gepäck mehr Platz. Der Austral ist kleiner, aber spürbar günstiger.
Bild 1: Der Renault Espace. Bild 2: Der Renault Austral. Optisch sind die beiden kaum voneinander zu unterscheiden.
Renault Austral und Renault Espace: Die wichtigsten Unterschiede
Renault Austral | Renault Espace 5-Sitzer | |
Basispreis: | € 35.480,00 | € 44.090,00 |
Motoren: | Mildhybrid-Benziner 150 PS E-Tech Vollhybrid 200 PS | E-Tech Vollhybrid 200 PS |
Abmessungen L/B/H (m): | 4,53/1,83/1,65 | 4,75/1,83/1,65 |
Kofferraumvolumen VDA (l): | 500/575* - 1.525 | 581/777* - 1.818 |
Kofferraumvolumen Liter (l): | 555/673* - 1.761 | 692/943* - 2.054 |
*Kofferraumvolumen kann durch verschiebbare Rückbank angepasst werden (ausstattungsabhängig)
Ein Blick in die Tabelle zeigt: Der Austral bietet trotz 22 Zentimeter weniger Außenlänge als der Espace viel Kofferraumvolumen. Renault setzt bei beiden Modellen auf eine verschiebbare Rückbank (Serie bei Espace, Option bei Austral), mit der die Platzverhältnisse zugunsten von Passagieren oder Gepäck angepasst werden können. Den Espace gibt es zudem als Siebensitzer, den Austral ausschließlich als Fünfsitzer. Beim Einstiegspreis zeigt sich der Unterschied zwischen beiden Fahrzeugen am deutlichsten: Der Espace kostet mindestens 44.090 Euro, den Austral gibt es bereits ab 35.480 Euro. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Espace exklusiv mit dem 200 PS starken E-Tech Vollhybrid-Antrieb angeboten wird, während es für den Austral eine schwächere 150 PS Mildhybrid-Option gibt.
Der Espace auf Bild 1 hat das etwas längere, der Austral auf Bild 2 das formschönere Heck. Kofferraumvolumen gibt es bei beiden Modellen genug.
Die Motoren: So unterscheiden sich der 200 PS starke E-Tech Vollhybrid und der 150 PS Mildhybrid
Ist der zusätzliche Platz, den der Renault Espace bietet, kein Muss-Kriterium, lohnt sich der Blick auf den Renault Austral definitiv. Um den vollen Kostenvorteil auszunutzen, muss man sich allerdings mit dem 150 PS starken Mildhybrid-Turbo-Vierzylinder begnügen. Dieser verbraucht laut WLTP-Messverfahren 1,6 Liter mehr Superbenzin und ist dem 200 PS starken E-Tech Vollhybriden beim Standardsprint auf 100 km/h um 1,1 Sekunden unterlegen. So viel zur Theorie.
Welches Triebwerk sich in der Praxis besser schlägt, hängt stark vom Nutzungsprofil des Fahrers ab. Fährt man viel Stadt und Ortsgebiet, pendelt man im stockenden Verkehr ins Büro, dann ist der E-Tech Vollhybrid die bessere Wahl. Im Teillastbetrieb bei niedrigen Geschwindigkeiten kann das Aggregat seine Elektrounterstützung voll einsetzen - im Gegensatz zum Mildhybrid-Motor kann der Vollhybrid rein elektrisch fahren, und das schafft der Renault über weite Strecken. Aufladen muss man den Vollhybriden übrigens nicht, das macht er selbstständig via Rekuperation. Der Blick auf den Verbrauchszähler verrät: Werte unter fünf Liter sind bei niedrigen Geschwindigkeiten immer drin. Wir kamen mit dem Renault Espace im Test auf einen Durchschnittswert von 4,5 Liter - hier sind auch einige Landstraßenetappen inkludiert. Das ist bemerkenswert.

Gleichzeitig muss man sich akustisch an den E-Tech Motor gewöhnen. Weil der Benzinmotor - ein Dreizylinder-Turbo mit 1,2 Litern Hubraum - hauptsächlich als Stromgenerator eingesetzt wird, läuft er unabhängig von Lastanforderungen. Soll heißen: Der Motor springt immer wieder an und lädt die Batterie. Dabei merkt man, dass man sich sehr schnell an die Elektroruhe gewöhnt. Wer dem E-Tech hohe Last abfordert, muss mit einer kurzen Gedenksekunde rechnen - dann legt das Triebwerk spürbar und hörbar los. Spürbar beim Schub, aber auch beim Verbrauch: Wer 130 km/h in den Tempomaten einloggt, wird im Schnitt etwa 7,5 Liter Kraftstoff verbrauchen.
Wer häufig schneller fährt, ist mit dem schwächeren Mildhybrid-Turbo-Vierzylinder unserer Meinung nach besser bedient. Einerseits fällt der Verbrauch geringer aus (etwa 6,5 Liter im Schnitt), andererseits läuft er ruhiger und reagiert harmonischer auf Lastanforderungen. Apropos harmonischer: Die für beide Fahrzeuge verfügbare Allradlenkung 4 Control beruhigt flottere Kurven und reduziert den Wendekreis, ist beim Einparken aber gewöhnungsbedürftig. Lenkradstellung und Radeinschlag passen für unser Gefühl nicht immer zusammen - wir haben beim Längsparken ausgesehen wie Anfänger.
Infotainment gut, Lordosenstütze ist teuer
Beim Infotainmentsystem gibt es keine Unterschiede zwischen Austral und Espace, und das ist gut so. Die Open R Link genannte Software reagiert flott, man findet sich nach ein wenig Eingewöhnungszeit schnell zurecht und profitiert von der Android Automotive Plattform, die viele Smartphone-Apps in das Auto holt. Die Navigation wird beispielsweise mit Google Maps gelöst - wer sich mit seinem Google-Account einloggt, hat Zugriff auf den Suchverlauf des Smartphones, auf Favoriten und so weiter. Auch Spotify funktioniert in Austral und Espace, genauso wie Amazon Music, Prime Video (nur im Stand) und vieles mehr. Das ist top.
Bild 1: Das Interieur des Renault Espace. Bild 2: Das Interieur des Renault Austral. Auch hier sind kaum Unterschiede feststellbar. In Sachen Ergonomie
Achtung: Die Vordersitze sind in den Basisausstattungen nicht mit mit Lordosenstütze ausgerüstet, was empfindliche Rücken auf längeren Strecken strapaziert. Empfindliche Fahrer sollten diese dazubestellen - sie ist bei beiden Fahrzeugen optional erhältlich (beim Espace serienmäßig in der Ausstattung Iconic).
Viel Platz und sieben Sitze bei Espace
Sowohl Austral als auch Espace bieten sehr viel Platz im Innenraum und im Gepäckabteil. Nach klassischer Messmethode bietet der Austral maximal 673 bis 1.761 Liter Kofferraumvolumen. Das ist sogar etwas mehr als der Klassenmeister VW Tiguan (652 bis 1.650 Liter). Der Renault Espace Fünfsitzer kommt auf maximal 943 bis 2.224 Liter - das ist sogar mehr als der Skoda Kodiaq bietet (910 bis 2.105 Liter). Der Siebensitzer nimmt 212 Liter hinter der dritten Sitzreihe, maximal 782 Liter hinter der zweiten Reihe und 2.054 Liter bei umgelegten Sitzen auf.

Sicherheit: Fünf Sterne beim Euro NCAP Crashtest
In Sachen Sicherheit sind Austral und Espace gut aufgestellt: Beide erzielen fünf von fünf Sternen im Euro NCAP Crashtest. Zudem sind in beiden Fahrzeugen viele Sicherheits- und Assistenzsysteme an Bord: Adaptiver Tempomat mit Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Kreuzungsassistent, Fußgängererkennung, Querverkehrswarner, Toter Winkel Warner mit aktivem Lenkeingriff und etliche weitere Features stehen zur Verfügung. Wer von den rechtlich nötigen - Geschwindigkeitswarner und Spurhalteassistent - nichts hören möchte, kann diese ganz einfach per My Safety Switch deaktivieren. Zwei Mal drücken und es ist Ruhe in der Kabine.
Für welchen Renault solltet ihr euch entscheiden?
Wer auf viel Platz oder sieben Sitze angewiesen ist, fährt mit dem Espace auf Dauer besser. Der noch größere Kofferraum bietet mehr Flexibilität beim Familienurlaub oder Outdoor-Sport, die bessere Serienausstattung macht das Konfigurieren leichter. Der E-Tech Vollhybridmotor sorgt im Stadt- und Ortsgebiet zudem für spürbare Verbrauchsvorteile.
Ist man häufiger auf Landstraßen oder Autobahnen unterwegs und nicht auf das letzte Bisschen Gepäckraum angewiesen, macht man mit dem 150 PS starken Renault Austral einen guten Kauf. Unsere Empfehlung ist das Ausstattungsniveau Techno: Dieses bietet für 38.380 Euro viele sinnvolle Features - ergänzen sollte man unserer Meinung nach nur das Komfort Paket Plus mit Familienpaket. Wer es sportlicher möchte: Für den Renault Austral ist eine Esprit Alpine Version mit sportlicherem Exterieur und Interieur verfügbar. Kostenpunkt: 43.980 Euro. Damit ist der Preisvorteil allerdings fast aufgebraucht.
Kurz gesagt: Wer maximal viel Platz oder sieben Sitze benötigt, greift zum Espace. Wer sich mit etwas weniger, aber immer noch sehr viel Platz und einem schwächeren Motor begnügen kann, macht mit dem Austral Mildhybrid einen guten Kauf.
Auf einen Blick:
Renault Austral | Renault Espace | |
Stärken: |
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Schwächen: |
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