- Patrick Aulehla

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Aktualisiert: vor 14 Stunden
DS N°8 Collection Jules Verne im Test: Lebt man im Elektro-Crossover wie Gott in Frankreich?
Einem Fahrzeugsegment zuordnen will sich die DS N°8 Collection Jules Verne nicht. Sie ist eine Individualistin, die sich dem Mainstream ganz bewusst entsagt - mit allen ökonomischen Risiken. Wer das schätzt, wird von dieser elektrischen Limousine mit Extravaganz, Detailreichtum und Entschleunigung belohnt. Für weite Reisen muss man aber Geduld mitbringen.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Oliver Hirtenfelder
Ein Auto ist für dessen Besitzer auch ein Ausdruck von Persönlichkeit, von Charakter, von Individualität. Wir alle wollen das Gleiche, und das ist: nicht gleich sein wie alle anderen. Zwar sind gut die Hälfte aller neu zugelassenen Fahrzeuge in Österreich SUVs. Und trotzdem will man kein Produkt von der Stange kaufen, sondern individuell ausgestalten per Farbwahl, Ausstattung und Designpaket.
Wer sich in Sachen Individualität von mehrfarbigen Sitzbezügen und sportlich aussehendem Kunststoff nicht restlos abgeholt fühlt, möge einen Blick auf die französische Nobelmarke DS werfen. Der zum Stellantis-Konzern gehörende Automobilhersteller baut Fahrzeuge, die bewusst nicht jeden Geschmack treffen, sondern sich durch extravagantes Design von der grauen Masse abheben wollen. Insofern überrascht nicht, dass der Markenname DS als Hommage auf die zwischen 1955 und 1975 gebaute Citroen DS zu verstehen ist, die bis heute als Designikone, und für viele gar als das schönste jemals gebaute Auto gilt.

Die Daten: Das kann die DS N°8 Collection Jules Verne AWD Long Range
Das hier zu sehende Modell nennt sich elektroautotypisch etwas sperrig "DS N°8 Collection Jules Verne AWD Long Range" und versteht sich als das Flaggschiff der Marke. In Zahlen bedeutet das: 4,83 Meter Länge, 1.92 Meter Breite, 1,57 Meter Höhe, 2,91 Meter Radstand und 581 bis 1.834 Liter Kofferraumvolumen. Die Elektromotoren leisten im Allradmodell maximal 276 kW/375 PS und liefern 509 Newtonmeter Drehmoment. Die Energie stellt eine 97 kWh große Lithium-Ionen-NMC-Batterie bereit, die für 664 Kilometer WLTP-Reichweite gut sein soll und mit maximal 160 kW geladen wird. So viel zur Theorie. Zum Realitätscheck kommen wir gleich - vorher noch ein Blick auf das Design.

Design und Innenraum: Schönheit erfreut das Auge des Betrachters
Offensichtlich ist: Die DS N°8 passt in keine Schublade - sie ist in Sachen Bodenfreiheit zu erhaben, um eine Limousine zu sein, und in allen anderen Belangen zu sehr Limousine, um SUV zu sein. Sicher ist: Der optische Auftritt ist imposant und elegant, nicht aufdringlich, aber keinesfalls zu übersehen. Dieses Auto sticht ins Auge, es hat Präsenz und Stil - das kann eine Limousine (oder ein Derivat wie dieses) grundsätzlich besser als jeder zweckumgewidmete Geländewagen.
Den äußerlichen Schick setzt DS im Innenraum konsequent fort: In der Jules Verne Ausführung ist die Kabine weitreichend mit blauem Leder-Wildleder-Mix ausgekleidet, das Kabinendesign wirkt insgesamt sehr hochwertig, die Leberkäsesemmel konsumiert man mit Respektabstand. Das Armaturenbrett erinnert durch seine abgesetzte Metallzierleiste, die sich bis in die Lautsprecherabdeckungen fortführt, an eine Motoryacht. Das Vierspeichen-Lenkrad ebenso. Die etwas zu offensichtlich in der Plastikpresse geborene Oberfläche der Mittelkonsole holt uns haptisch auf den Boden der Kostenrechner zurück. Optisch wirkt sie deutlich hochwertiger.
Schön gestaltet, solide verarbeitet, tolle Ergonomie: Das Interieur der DS N°8 ist ein Ort zum Wohlfühlen.
Auch in Sachen Platzangebot überzeugt die DS N°8: Den Passagieren im Fond wird dank des langen Radstands viel Raum zugestanden, dem Gepäck ebenso: 581 bis 1.834 Liter Stauvolumen sind für eine Limousine sehr ordentlich, auch ein Fahrrad bringt man dank des spät abfallenden Hecks problemlos unter.
Bedienung und Infotainment: Keine Fragezeichen, aber einige Funktionen fehlen
Die womöglich wichtigste Nebensache des Autofahrens ist die Bedienbarkeit des Infotainmentsystems, und hier gibt sich die DS N°8 keine Blöße. Wichtige Funktionen, etwa der Zugriff auf das Assistentenmenü, werden über Tasten gesteuert. Außerdem ist der Startbildschirm mit häufig genutzten Apps belegt, um möglichst wenige Umwege über Untermenüs gehen zu müssen. Hervorzuheben ist auch das Focal Audiosystem, und das nicht nur der hübschen Lautsprecherabdeckungen wegen: Sauberer Klang, gute Hochtöne, satter Bass - das erfreut audiophile Charaktere.

Gefehlt haben uns nur zwei Funktionen: Zum einen eine automatische Haltefunktion (Auto Hold), die bei den allermeisten Fahrzeugen mittlerweile zum Serienumfang gehört. Und zum anderen haben wir im Infotainmentsystem vergeblich nach einer Vorklimatisierungsfunktion gesucht - diese ist offenbar nur über die App anwählbar.
Fahren, Reichweite und Ladegeschwindigkeit: Komfortables Reisen mit erhöhtem Verbrauch
Im Fahrbetrieb will die DS N°8 vor allem mit Komfort überzeugen. Das Fahrwerk federt weich, die Lenkung arbeitet ebenso - doch stets mit so viel Ernsthaftigkeit, dass es im Gegensatz zum optischen Yacht-Vorbild niemals schaukelig wird. Gut, denn die DS N°8 Jules Verne AWD Long Range kann dank 375 PS Maximalleistung durchaus auch flott: In 5,4 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 190 km/h.
Nicht unwesentlich für ein Elektroauto sind natürlich die Themen Verbrauch, Reichweite und Ladung. Und obwohl klar ist, dass die niedrigen Wintertemperaturen Ausdauer und Leistung gleichermaßen zusetzen, entfernt sich die DS N°8 hier zu weit von den Herstellerangaben. Im Alltagsbetrieb abseits von Autobahnen sind Verbrauchswerte von etwa 20 bis 22 kWh pro 100 Kilometer realistisch, was etwa 500 bis 450 Kilometern Realreichweite entspricht. Das geht soweit in Ordnung.

Auf der Autobahn genehmigte sich unser Testwagen schon eher 25 bis 30 kWh pro 100 Kilometer - ein Ladehalt ist so nach 350 bis 300 Kilometern nötig. Und dieser dauert länger als gedacht: Statt der angegebenen 160 kW Ladeleistung ließ unser Testwagen bei keinem Ladevorgang mehr als 80 kW durch die Kabeln fließen. Die angegebene Ladezeit von 27 Minuten für eine Schnellladung von 20 auf 80 Prozent SoC lässt sich so natürlich nicht einhalten. Wir mussten uns gute 50 Minuten gedulden, und das ist für ein Fahrzeug vom Format der DS N°8 ganz einfach zu lange.
Preise und Garantie: Das kostet die DS N°8 in Österreich
Topmodelle sind selten ein günstiges Vergnügen, und das trifft auch auf die DS N°8 zu. Der Einstiegspreis für die Variante Pallas beläuft sich in Österreich auf 58.000 Euro. Dafür bekommt man eine 73 kWh Batterie, die für bis zu 550 Kilometer WLTP-Reichweite gut sein soll. Und viel Serienausstattung - etwa 19-Zoll-Alufelgen, eine Rückfahrkamera, das Infotainmentsystem mit Navigationsfunktion, einen adaptiven Tempomaten, LED-Schweinwerfer, Keyless Go und vieles mehr. Für die Long Range Version (bis zu 749 Kilometer WLTP-Reichweite) werden 5.400 Euro Aufpreis fällig.
Die nächsthöhere Ausstattung Étoile kostet ab 65.200 Euro als Standard Range Ausführung (bis zu 527 Kilometer WLTP-Reichweite), ab 71.200 Euro in der Long Range Version (bis zu 714 Kilometer WLTP-Reichweite) und ab 75.200 Euro in der AWD Long Range Variante (bis zu 664 Kilometer WLTP-Reichweite).
Das von uns getestete Topmodell Collection Jules Verne gibt es nur mit der 97 kWh fassenden Long Range Batterie - zu Preisen ab 77.200 Euro für das FWD-Modell (bis zu 692 Kilometer WLTP-Reichweite) oder ab 81.200 Euro für das AWD-Modell (bis zu 645 Kilometer WLTP-Reichweite). In Sachen Garantie bleibt man bei DS nur beim Nötigsten: Zwei Jahre Neuwagengarantie gibt es auf das Fahrzeug, acht Jahre Garantie auf die Antriebsbatterie.

Unser Fazit zur DS N°8 Collection Jules Verne
Die DS N°8 ist ein Auto mit Charakter. Extravagant, außergewöhnlich, stilsicher, elegant - all das trifft auf die luxuriöse Elektro-Crossover-Limousine zu. Besonders gefallen haben uns das Design innen wie außen, die Materialgüte und der hohe Fahrkomfort. Dieses Auto lädt zum Entschleunigen ein - im stressigen Alltag kann das eine Wohltat sein. Aufholbedarf gibt es dagegen beim Stromverbrauch und der Ladegeschwindigkeit. Hier bleibt die DS N°8 deutlich hinter den Werksangaben zurück.
Was wir gut finden: Die extravagante Gegenthese zum SUV-Boom
Was wir nicht so gut finden: Den etwas zu hohen Stromverbrauch, besonders auf der Autobahn, und die doch weit von der Herstellerangabe entfernte Ladegeschwindigkeit.
Man kauft sie, weil: man keine Lust auf Mainstream hat
Vergleichbare Fahrzeuge: Renault Rafale, Mazda 6e, Polestar 4
DS N°8 Collection Jules Verne AWD Long Range (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch, Reichweite
Testwagenpreis: € 82.200,00 brutto
Einstiegspreis: € 58.000,00 brutto
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Maximale Leistung: 276 kW/375 PS
Nenndauerleistung (30 min): 138 kW
Drehmoment: 508 Nm
0-100 km/h: 5,4 Sekunden
Vmax: 190 km/h
Batteriekapazität: 97,2 kWh brutto
Energieverbrauch konfigurationsspezifisch (WLTP): 17,8 kWh/100 km
Energieverbrauch Realtest: 20 - 22 kWh (Ortsgebiet, Landstraße), 25 - 30 kWh (Autobahn)
Reichweite konfigurationsspezifisch (WLTP): 645 km
Reichweite im Test: 300 - 500 km
Ladung (Werksangabe): 11 kW AC | 160 kW DC (20-80%: 27 min)
Leergewicht: 2.289 kg
Höchstzulässiges Gesamtgewicht: 2.800 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst: 1.600 kg/750 kg
Kofferraum: 581 - 1.834 Liter
Länge/Breite o.S./Höhe: 4.834/1.920/1.574 mm
Stützlast: k.A.







































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