- Patrick Aulehla

- vor 8 Stunden
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Der neue Mazda 6e im Test: Was kann die neue 4,92 Meter Elektro-Limousine für 43.750 Euro?
Der Mazda 6e Takumi zeigt im Test viele Stärken, die vor allem Preis-Leistungs-Verhältnis, Fahrkomfort, Verarbeitungsqualität und Funktionsumfang betreffen. An einigen Stellen gibt es aber Potenzial für Updates. Dass wir uns nicht für die Long Range Variante entscheiden würden, hat einen wichtigen Grund.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Mazda
Sein Auftritt ist optisch durchaus imposant, beim Blick auf den Preiszettel verschlägt es einem nicht gleich die Sprache. Der neue rein elektrische Mazda 6e macht auf den ersten Blick vieles richtig: Ausgedehnt auf beinahe fünf Meter Länge bietet er viel Auto für vertretbar viel Geld (ab 43.475 Euro), sieht modern und stylish aus, bietet eine solide Elektroauto-Architektur (die sich Mazda vom chinesischen Hersteller Changan ausborgt) und jede Menge Features, für die man nicht einmal Aufpreis zahlen muss.
Aber, wie heißt es so schön: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Im Detail offenbart die japanisch-chinesische Koproduktion einige Schwächen. Die sind für sich genommen Kleinigkeiten sind und trüben das tolle Gesamtbild kaum, können auf Dauer aber nerven. Die gute Nachricht: Diese sollten sich per Softwareupdate "over the air" (also ohne Werkstattbesuch) relativ einfach austherapieren lassen.
Design und Platz: Schnittig, modern und geräumig
Optisch ist der Mazda 6e durchaus gelungen, wie wir finden. Die Karosserie fällt stattlich aus (4,92 Meter Länge, 1,89 Meter Breite, 1,49 Meter Höhe), wirkt aufgrund ihrer Proportionen sportlich geschnitten, die vordere Lichtsignatur verleiht dem Auto Breite und Präsenz. Trotzdem wirkt der Mazda 6e nicht prollig, er ist kein Verdrängungsinstrument für die linke Fahrspur.

Dass sich bei fast fünf Meter Fahrzeuglänge auch im Innenraum ordentliche Dimensionen ausgehen, liegt auf der Hand. Die hinteren Plätze bieten viel Beinfreiheit nach vorne, auch zur Seite hat man ausreichend Platz. Aufgrund der Batterie baut der Boden allerdings recht hoch auf. Noch eine Reihe weiter hinten - im Kofferraum - finden zwischen 466 Liter und 1.074 Liter Ladevolumen Platz. Wo man früher den Motor fand, findet man jetzt zusätzlichen Stauraum: Im sogenannten Frunk können 72 Liter verstaut werden - etwa Ladekabel oder Taschen.

Das Mazda 6e Fahrgefühl: Unaufgeregt, leise und komfortabel
Schon nach den ersten Metern im neuen Mazda 6e wird klar: Das Augenmerk liegt auf Komfort und Ruhe, nicht auf gekünstelter Sportlichkeit. Das Fahrwerk liegt satt, federt Unebenheiten souverän weg, die Lenkung dreht leicht, ist für unseren Geschmack um die Mittellage aber etwas zu nervös. Das führt dazu, dass man im Geradeauslauf relativ häufig nachkorrigieren muss. Auf der Autobahn kann man diese Aufgabe an den adaptiven Tempomaten mit Spurhalteassistent übergeben.
Ebenfalls etwas zu nervös wirkt der Mazda 6e beim Beschleunigen. Für unseren Geschmack fällt das Ansprechverhalten des Motors zu scharf aus. Soll heißen: Schon ein kleiner Tipp auf das Fahrpedal genügt und der 6e reagiert sofort mit Vortrieb. Das mag man an einem Sportwagen oder einem Rennauto schätzen. Im Alltagsbetrieb wirkt es eher störend, weil das Fahren dadurch schaukelig und unruhig wird. Einfache Lösung: Das Ansprechverhalten des Motors lässt sich anpassen - wir sind mit der geringsten Stufe am besten gefahren.

Die Rekuperation lässt sich zwischen Segeln und spürbarem Bremsen mehrstufig anpassen, das Ansprechen des Motors wie erwähnt ebenfalls, verschiedene Fahrmodi gibt es obendrauf - in Sachen Individualisierung kann man sich also verwirklichen. In Summe wirkt das Fahren mit dem Mazda 6e jedenfalls durchwegs souverän.
Etwas überraschend dagegen: Im Gegensatz zum ersten Moment des Losruckens fühlt sich längeres Beschleunigen, beispielsweise beim Auffahren auf die Autobahn, relativ unspektakulär an, trotz 190 kW/258 PS Leistung. Andererseits muss der Elektromotor auch 2.027 Kilogramm Leergewicht bewegen. Die Beschleunigung von 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h klingt aber plausibel, die Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h ebenfalls.

Gewöhnen muss man sich daran, dass die Gangwechsel beim Rangieren lange dauern. Das Auto muss stehen, bevor beispielsweise von Drive in Retour geschaltet werden kann - uns ist es nicht nur einmal passiert, dass wir beim Einparken irrtümlicherweise nach vorne statt nach hinten losrollten, weil der richtige Gang noch nicht eingelegt war. Hier muss man sich in Geduld üben, sonst macht der Notbremsassistent Überstunden.
Reichweite und Laden: Nur eine Variante kommt infrage
Grundsätzlich wird der Mazda 6e in zwei Varianten angeboten (Standard Range und Long Range), von denen nur eine wirklich infrage kommt: Standard Range. Warum? Die Long Range Variante verfügt zwar über eine größere, nämlich 80 kWh fassende Batterie (552 Kilometer WLTP-Reichweite), kann aber nur mit 90 kW schnellladen. Um von 10 auf 80 Prozent Ladestand zu laden, steht man so bestenfalls 47 Minuten - in der Realität eher länger.
Die Standard Range Variante verfügt zwar nur über 68,8 kWh Batteriekapazität und 479 Kilometer WLTP-Reichweite, kann aber mit 165 kW schnellladen. Der Ladestopp dauert damit halb so lang (24 Minuten), und unserer Erfahrung nach zählt Ladegeschwindigkeit auf der Langstrecke mehr als ein paar Kilometer WLTP-Reichweite. Warum man sich für diese Kombination entschieden hat, wissen wir nicht - vermutlich liegt es an den technischen Möglichkeiten der Changan-Plattform.

Die von uns getestete Standard Range Variante soll grundsätzlich wenig Strom verbrauchen, wobei ihr die winterlichen Temperaturen doch zusetzen: Statt der angegebenen 16,6 kWh pro 100 Kilometer flossen bei uns zwischen 18 kWh (Ortsgebiet und Freilandstraßen) und 25 kWh (Autobahn) durch die Kabeln. Bei konstant gefahrenem GPS-Tempo 130 entspricht das 265 Kilometern Realreichweite im Winter - mit Sicherheitspolster also eher 240, vielleicht 250 Kilometern. Mit 18 kWh Durchschnittsverbrauch beläuft sich die Realreichweite auf etwa 370 Kilometer. Das ist gerade noch so ok, aber sicher keine Glanzleistung.
Bedienung: Viel Touch, viele Funktionen, einige Fragen
Ob es grundsätzlich sinnvoll ist, alle Fahrzeugfunktionen in einen Touchscreen zu packen - darüber lässt sich bekanntlich streiten. So oder so: Im Mazda 6e ist das so gelöst, und das funktioniert unserer Meinung nach relativ gut. Wichtige Funktionen erreicht man auf dem 14,6 Zoll großen Infotainmentdisplay grundsätzlich problemlos - so wird etwa die Steuerung der Klimaanlage am unteren Bildschirmrand permanent eingeblendet.
Zieht man seinen Finger vom linken Bildschirmrand nach rechts, öffnet sich eine Schnellwahlleiste, die man mit verschiedenen Funktionen belegen kann. Hierzu zählen etwa Einstellungen für Licht, Spiegel und Scheibenwischer, die Lenkradheizung, und so weiter. Im Hauptmenü finden sich dann alle weiteren Einstellungen, die sich in eine relativ sinnvolle Menüstruktur eingliedern und nach etwas Einübungszeit gut gefunden werden.

Bei intensiverer Betrachtung drängen sich aber einige Fragen auf. Beispielsweise: Wenn man die sicherheitsrelevanten Scheinwerfer-Einstellungen (Standlicht, Abblendlicht) schon in ein Untermenü packt, sollten immerhin Licht- und Regensensor gekoppelt sein. Sprich: Wenn es zu Regnen beginnt, sollte sich das Abblendlicht automatisch aktivieren, um dem Fahrer die Suche im Untermenü und die folgende Konfrontation mit dem Aufmerksamkeitsassistenten zu ersparen.
Etwas aufwühlend fanden wir den Tempomaten: Zum einen hält er die eingestellte Geschwindigkeit nicht "flüssig", sondern schiebt immer wieder leicht nach - das bringt Unruhe ins Auto und kann empfindliche Passagiere auf Dauer nerven. Wirklich kurios war, dass der Mazda 6e regelmäßig ohne ersichtlichen Grund die eingestellte Geschwindigkeit verringerte oder gar abbremste. Etwa vor leichten Kurven, oder wenn man ein anderes Fahrzeug überholt. Und das nicht verbotenerweise rechts, sondern ganz gesetzeskonform auf der linken Seite. Hier wäre ein Softwareupdate wünschenswert.
Dass die Klimaanlage die eingestellte Temperatur nicht optimal trifft, ist Mazda bekannt - hier wird bereits an einer Softwarelösung gearbeitet. Im Winter sollte man die Temperatur etwas höher, im Sommer etwas niedriger wählen - soll so sein. Abschließend noch eine Randnotiz: Sprachansagen aus der Google Maps Navigation wurden von unserem Testfahrzeug nicht abgespielt. Die Musik wurde zwar stummgeschaltet, die Ansagen hatten aber keinen Ton. Wir vermuten auch hier einen Bug in der Software.
Mazda 6e Preise: Takumi vs. Takumi Plus, Standard Range vs. Long Range
Wie eingangs erwähnt gibt es den Mazda 6e in zwei Versionen: Die Standard Range Basisvariante (genannt "Mazda 6e") und die Long Range Variante (genannt "Mazda 6e Long Range"). Der Mazda 6e kostet in Österreich 43.475 Euro in der Ausstattung Takumi oder 45.425 Euro in der Ausstattung Takumi Plus. Im Grunde sind beide Fahrzeuge serienmäßig vollausgestattet, die Unterschiede beschränken sich auf die Sitzbezüge: Takumi kommt mit Kunstleder, Takumi Plus mit Nappaleder. Ansonsten ist alles drin und dran, was man sich vorstellen kann (Sitzheizung, Sitzbelüftung, Lenkradheizung, Sony Soundsystem, Head-up Display, etliche Assistenzsysteme uvm.), Optionen gibt es abseits der Wunschfarbe keine.
Der Mazda 6e Long Range kommt auf 45.075 Euro in der Variante Takumi oder auf 47.025 Euro in der Variante Takumi Plus. Wie erwähnt verfügt der Mazda 6e Long Range über etwas mehr Batteriekapazität und Reichweite, muss aber deutliche Einbußen bei der Ladeleistung hinnehmen. Wir raten deshalb zur Basisvariante.

Unser Fazit zum neuen Mazda 6e
Mit dem Mazda 6e ist dem japanischen Hersteller zweifelsfrei ein großer Wurf gelungen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist außerordentlich gut, die serienmäßigen Ausstattungsumfänge sind beeindruckend, der Komfort überzeugt. Was weniger überzeugt, sind kleine Bedienungsschwächen, die in Summe zwar etwas nerven, uns aber nicht vom Kauf abhalten würden.
Das hat folgende Gründe: Insgesamt wirkt die Bedienung auf uns schlüssig, so manche Eigenheit muss man bei fast jedem modernen Auto verschmerzen. Einen wirklich groben Fehler leistet sich der Mazda 6e nicht. Und: Alles Genannte lässt sich per Softwareupdate korrigieren, und die kann der Mazda 6e ohne Werkstattbesuch over the air empfangen. Insofern ist der Mazda 6e unserer Meinung nach ein sehr gutes Elektroauto für sehr faires Geld.
Was wir gut finden: Dass man wirklich viel Auto für wirklich vertretbares Geld bekommt.
Was wir nicht so gut finden: Einige Eigenheiten bei der Bedienung, die sich mit Updates aber in den Griff bekommen lassen werden.
Man kauft ihn, weil: man eine schicke Elektro-Limousine mit viel Ausstattung, moderner Technik und hohem Wohlfühlfaktor sucht, die obendrein ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
Vergleichbare Fahrzeuge: Skoda Enyaq, BYD Seal, VW ID.7, Hyundai Ioniq 6
Mazda 6e Elektro (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch, Reichweite
Testwagenpreis: € 44.325,00 brutto
Einstiegspreis: € 43.475,00 brutto
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Maximale Leistung: 190 kW/258 PS
Nenndauerleistung (30 min): 60 kW
Drehmoment: 320 Nm
0-100 km/h: 7,6 Sekunden
Vmax: 175 km/h
Batteriekapazität: 66,8 kWh
Energieverbrauch konfigurationsspezifisch (WLTP): 16,6 kWh/100 km
Energieverbrauch Realtest (Winter): 18 kWh (Ortsgebiet, Landstraße) - 26 kWh (Autobahn)
Reichweite konfigurationsspezifisch (WLTP): 479 km
Reichweite im Test: 250 - 300 km
Ladung: 11 kW AC | 165 kW DC (10-80%: 24 min)
Leergewicht: 2.027 kg
Zuladung: 360 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst: 1.500 kg/750 kg
Kofferraum: 466 - 1.074 Liter
Länge/Breite o.S./Höhe: 4.921/1.890/1.491 mm
Stützlast: 75 kg



















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