- Patrick Aulehla

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Hyundai Ioniq 9 im Test: Was kann der Cadillac Escalade aus Korea?
Die Abmessungen des Hyundai Ioniq 9 sind gewaltig, der Platz im Innenraum ebenso. Wer seine Familie künftig elektrisch transportieren möchte, bekommt mit diesem fünf Meter Siebensitzer-Elektro-SUV eine imposante Minivan-Alternative. 620 Kilometer WLTP-Reichweite und 800 Volt Bordnetz inklusive.
Text: Patrick Aulehla | Fotos: Oliver Hirtenfelder
Schon bei der Abholung des Hyundai Ioniq 9 Testfahrzeugs ist augenblicklich klar: Das Wort "dezent" können wir für die nächste Woche aus unserem Wortschatz streichen. Dieses siebensitzige Elektro-SUV orientiert sich in Sachen Auftritt eher an amerikanischen Full-Size-SUVs vom Format Cadillac Escalade, weniger an VW Tiguan oder Mazda CX-5. Die 5,06 Meter Länge sind es nicht allein - vor allem die kantige Form, die gewaltigen Proportionen, die Höhe der Motorhaube, die Wuchtigkeit des Gesamtbilds, all das lässt seine Betrachter nach dem Erstkontakt erstaunt zurück.
Die Wahrheit aber ist: Der Hyundai Ioniq 9 ist Platzhirsch mit sanftem Gemüt, ein fürsorglicher Familienbegleiter, ein ruhiges, ausgesprochen komfortables Reisefahrzeug, das im Alltagsbetrieb keine 20 Liter Super verschlingt, sondern etwa 22 Kilowattstunden Strom. Bis zu sieben Personen finden Platz, im Kofferraum kann man übernachten, es sind alle erdenklichen Sicherheits- und Assistenzfeatures an Bord - das Gesamtpaket, das Hyundai mit diesem Fahrzeug schnürt, ist beeindruckend. Und mit einem Österreich-Preis ab 63.490 Euro (Stand Februar 2026) ist es gewissermaßen preiswert obendrein.

Hyundai Ioniq 9 Maße und Platzangebot: Wie groß ist das Elektro-SUV?
Zuerst zum Offensichtlichen: Der Hyundai Ioniq 9 ist groß. In Zahlen bedeutet das: 5,06 Meter Länge, 1,98 Meter Breite, 1,79 Meter Höhe, 3,13 Meter Radstand (ähnlich viel wie ein Bentley Flying Spur), 338 Liter Kofferraumvolumen hinter der dritten Sitzreihe, 908 Liter hinter der zweiten Sitzreihe und 2.419 Liter bei umgelegten Sitzen. Zusätzlich gibt es einen Frunk (vorderer Kofferraum) mit 88 Liter (Heckantrieb) oder 52 Liter (Allrad) Stauvolumen. Gezogen werden maximal 1.600 Kilogramm (Heckantrieb) oder 2.500 Kilogramm Anhängelast (Allrad).
Im Innenraum gibt es in jede Himmelsrichtung mehr als ausreichend Platz. Die zweite Sitzreihe kann wahlweise mit einer klassischen Rückbank für drei Personen (Siebensitzer), oder mit Einzelsitzen für zwei Personen (Sechssitzer) ausgestattet werden. Das hat Business-Class Flair. In der dritten Sitzreihe fühlen sich dagegen nur Kinder wirklich wohl, Erwachsenen wird es auf Dauer zu eng.
Platz bietet der Ioniq 9 im Überfluss. Das Kofferraumvolumen gleich dem eines Kleintransporters, wahlweise sechs oder sieben Sitze sind ebenfalls Bord.
Innenraum, Qualität und Bedienung
In Sachen Qualität und Ausstattung lässt der Hyundai Ioniq 9 in der von uns getesteten Topausstattung Calligraphy keine Wünsche offen. Von belüfteten Massagesitzen über eine Lenkradheizung bis hin zu digitalen Außenspiegeln ist alles an Bord, um das Leben der Passagiere so komfortabel wie möglich zu machen. Wobei wir uns mit digitalen Außenspiegeln nicht wirklich anfreunden können - das ist aber Geschmackssache.
Dass viele echte Tasten, Knöpfe und Drehregler die zentrale 12,3 Zoll Touchscreen-Steuerzentrale ergänzen, gefällt uns sehr gut, weil es uns ermöglicht, während der Bedienung die Fahrbahn im Blick zu behalten, anstatt zu versuchen, kleine Touch-Kacheln zu treffen. Im Touchmenü selbst findet man sich ohne Bedienungsanleitung zurecht, die Menüstruktur ist leicht nachzuvollziehen, die gesuchten Funktionen haben wir stets schnell gefunden. Insgesamt gefällt uns das Bedienkonzept des Hyundai Ioniq 9 sehr gut.

Antrieb, Leistung, V2X und 800-Volt-Technik
In den Ausstattungen Trend Line und Prestige Line hat man die Wahl zwischen einem 160 kW/218 PS starken Heckantrieb und einem 226 kW/307 PS starken Allradantrieb. In der Topversion Calligraphy wird der Ioniq 9 ausschließlich mit Allradantrieb angeboten - wahlweise mit 226 kW/307 PS oder mit 315 kW/428 PS in der Performance-Version.
Wer sich im Winter genauso souverän fortbewegen wie auftreten möchte, ordert eine der Allradversionen und kann dabei bedenkenlos in die Vollen gehen: Die Performance-Version mit 121 Mehr-PS kostet nur 1.500 Euro Aufpreis. Gewissermaßen Standard bei Hyundai: Der Ioniq 9 kommt in allen Ausführungen mit 800-Volt-Bordnetz, was sich besonders in Sachen Ladeleistung bezahlt macht. Außerdem ist der Hyundai Ioniq 9 für bidirektionales Laden vorbereitet (V2H und V2G) und kann mittels V2L-Adapter elektrische Geräte mit bis zu 3,6 kW betreiben.

Reichweite, Batterie und Verbrauch: So weit kommt der Ioniq 9 wirklich
Bevor wir uns dem Thema Ladegeschwindigkeit widmen, noch ein Blick auf die Fähigkeiten des Hyundai Ioniq 9, selbiges hinauszuzögern: Die Koreaner spendieren dem großen SUV eine ebenso große Batterie mit 110 kWh Kapazität, die gemäß WLTP-Zyklus für 620 Kilometer (Heckantrieb), 600 Kilometer (Allrad) oder 580 Kilometer (Allrad Performance) Reichweite sorgen soll. Der kombinierte Stromverbrauch wird mit 19,9 kWh (Heckantrieb), 20,4 kWh (Allrad) und 20,6 kWh (Allrad Performance) angegeben.
In der Realität ergibt sich freilich ein anderes, wenn auch nicht allzu trübes Bild: Wer sich mit dem Hyundai Ioniq 9 hauptsächlich im Ortsgebiet und auf Freilandstraßen bewegt, erreicht mit der von uns getesteten Allradvariante Verbrauchswerte zwischen 22 kWh und 25 kWh. Das geht in Ordnung. Auf der Autobahn fließt naturgemäß mehr Strom durch die Kabeln - für 130 km/h Reisetempo benötigt man rund 30 kWh pro 100 Kilometer. Im echten Leben kann man demnach mit 350 bis 500 Kilometer Realreichweite kalkulieren.

Ladeleistung und Ladezeit: So schnell lädt der Ioniq 9
Auf längeren Strecken ist die Ladeleistung die wohl wichtigste Kennzahl, und auch hier zeigt der Hyundai Ioniq 9 Größe: Laut Hyundai kann der Ioniq 9 mit einer maximalen Ladeleistung von 233 kW an DC-Schnellladesäulen betankt werden. Die Standard-Schnellladung von 10 bis 80 Prozent soll so in 24 Minuten gelingen. An AC-Ladestationen oder Wallboxen lädt der Ioniq 9 mit maximal 11 kW - eine Vollladung (0 - 100 Prozent) dauert rund zehn Stunden.
Im Praxistest an der Schnellladestation zeigt sich: Dieses Auto hält, was es verspricht. Wir erreichten beim Laden Peak-Leistungen von fast 240 kW, eine durchschnittliche Ladeleistung von gut 200 kW (10 - 80 Prozent) und konnten den Ioniq 9 so in rund 25 Minuten laden. Herstellerangabe getroffen - perfekt.
Fahrverhalten: Jede Menge Komfort und Ruhe
Im Fahrbetrieb lädt der Hyundai Ioniq 9 zum Entspannen ein, sobald man die zehn Quadratmeter Grundfläche vermag selbstbewusst durch den Verkehr zu lenken. Dabei helfen allerlei Kameras und Assistenten - in der Basisausstattung Trend Line ist eine serienmäßig eine Rückfahrkamera an Bord, in den Ausstattungen Prestige Line und Calligraphy hilft serienmäßig eine 360 Kamera beim Rangieren.
Auffällig ist der Geräuschkomfort an Bord: Der Ioniq 9 fährt ausgesprochen leise und komfortabel, federt auch ohne Luftfahrwerk sanft und weich, die Neigungen zur Seite bleiben im Rahmen. Klar ist aber auch: Dynamisches Fahren durch Kurven ist nicht die Paradedisziplin dieses Fahrzeugs - dafür ist der Ioniq 9 einfach zu viel Auto. Längsdynamisch zeigt er sich aber flott: Trotz 2,7 Tonnen Leergewicht geht das SUV in 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und fährt maximal 200 km/h schnell.

Hyundai Ioniq 9 Österreich-Preis und Ausstattung
Wie eingangs erwähnt gibt es den Hyundai Ioniq 9 in drei Ausstattungsvarianten. Die Ausstattungsumfänge sind schon im Basislevel Trend Line sehr gut - wer sich mit allen erdenklichen Features eindecken will, dem bleibt der Griff zur Ausstattung Prestige Line oder zum Topmodell Calligraphy. Die Preise gestalten sich wie folgt:
Trend Line Heckantrieb: ab € 63.490,00
Trend Line Allradantrieb: ab € 67.490,00
Prestige Line Heckantrieb: ab € 73.490,00
Prestige Line Allradantrieb: ab € 77.490,00
Calligraphy Allradantrieb: ab € 79.490,00
Calligraphy Allradantrieb Performance: ab € 80.990
Fazit: Können wir den Hyundai Ioniq 9 empfehlen?
Hier gibt es eine klare Antwort: Ja, wir können den Hyundai Ioniq 9 empfehlen. Dieses Elektro-SUV vereint viele Fähigkeiten in sich, die besonders Familien oder Freizeitsportler mit platzintensiven Hobbies schätzen werden. Sieben Sitze, viel Ausstattung, hohe Reichweite, schnelles Laden, ein für diese Größe vertretbarer Stromverbrauch und ein insgesamt durchdachtes Bedienkonzept machen dieses Fahrzeug zu einer klaren Kaufempfehlung. Auch der Preis passt unserer Meinung nach zu den gebotenen Fähigkeiten.
Was wir gut finden: Viel Platz, hohe Ladegeschwindigkeit, viel Ausstattung, vertretbarer Preis
Was wir nicht so gut finden: wenig - vielleicht die niedrige Regelschwelle einiger Assistenten (Aufmerksamkeitswarner), aber das ist i-Tüpfelchen-Reiterei
Man kauft ihn, weil: man Platz für viel Gepäck oder bis zu sieben Personen braucht und obendrein ein ausdauerndes, komfortables Elektro-SUV möchte
Vergleichbare Fahrzeuge: Skoda Enyaq, KIA EV9, Volvo EX90, Polestar 3
Hyundai Ioniq 9 AWD Calligraphy (2026): Technische Daten, Österreich-Preis, Leistung, Gewicht, Verbrauch, Reichweite
Testwagenpreis: € 83.850,00 brutto
Einstiegspreis: € 63.495,00 brutto
Bestellbar: ab sofort (Konfigurator)
Maximale Leistung: 226 kW/307 PS
Nenndauerleistung (30 min): 78 kW/106 PS
Drehmoment: 605 Nm
0-100 km/h: 6,7 Sekunden
Vmax: 200 km/h
Batteriekapazität: 110 kWh
Energieverbrauch konfigurationsspezifisch (WLTP): 20,6 kWh/100 km
Energieverbrauch Realtest: 22 - 25 kWh (Ortsgebiet, Landstraße), 30 - 33 kWh (Autobahn)
Reichweite konfigurationsspezifisch (WLTP): 600 km
Reichweite im Test: 350 - 500 km
Ladung: 11 kW AC | 233 kW DC (10-80%: 24 min)
Leergewicht: 2.705 kg
Höchstzulässiges Gesamtgewicht: 3.300 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst: 2.500 kg/750 kg
Kofferraum: 338/908/2.419 Liter
Länge/Breite o.S./Höhe: 5.060/1.980/1.790 mm
Stützlast: 125 kg

























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